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17. September 2009

Arbeiten am Kölner Dom

Drei heilige Kaiser und ein König kehren zurück

Am 17. September haben die Versetzsteinmetzen und Gerüstbauer der Dombauhütte die Figur Karls des Großen wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgebracht.Bild vergrößernVersetzen der Statue Kaiser Karls des GroßenFoto: DBA Köln, M. JürkelZurzeit werden an der Westfassade des Kölner Domes Skulpturen der heiligen Kaiser Konstantin, Karl der Große und Heinrich II. sowie des heiligen Königs Stephan von Ungarn wieder aufgestellt. Die vier etwa lebensgroßen Kalksteinskulpturen waren im März 2005 abgenommen worden, um sie in der Dombauhütte zu reinigen und zu restaurieren. Die Wiederaufstellung der Figuren hat Anfang dieser Woche begonnen und wird im Laufe der nächsten oder übernächsten Woche abgeschlossen werden.

Der Erhaltungszustand aller vier Skulpturen war zum Zeitpunkt der Abnahme vergleichsweise gut. Lediglich die Hände der Heiligen mit ihren Attributen waren teilweise stark verwittert oder gänzlich zerstört, die Gewänder und Gesichtszüge hingegen nahezu unversehrt erhalten geblieben. Allerdings war der einst hellgelbe französische Kalkstein vollständig von einer dunkelschwarzen Schmutzschicht überzogen.
Alle vier Skulpturen wurden zunächst durch die Restaurierungswerkstatt Karthäuserhof mit Hilfe eines Festkörperlasers gereinigt. Dieses Reinigungsverfahren ist zwar sehr zeitaufwändig, dafür allerdings besonders schonend. Durch den gebündelten Lichtstrahl wird die dunkle Schmutzschicht partiell stark erhitzt und verdampft. Die ursprüngliche, helle Steinfarbe kommt wieder zum Vorschein. Da die Lichtstrahlen nur von dunklen Oberflächen absorbiert werden und sie daher bei hellen Oberflächen wirkungslos bleiben, wird die Skulptur bei diesem Reinigungsverfahren nicht beschädigt. So kann man an vielen Stellen der gereinigten Skulpturen sogar noch die ursprünglichen Meißelspuren erkennen.

Nach der Reinigung wurden die Skulpturen durch die Fachhochschule Köln unter Leitung von Dr. Esther von Plehwe-Leisen mit Hilfe von Ultraschall untersucht. Auf diese Weise konnten auch unter der Oberfläche liegende Schädigungen des Steines sichtbar gemacht werden. Anhand dieser Untersuchung wurde festgestellt wie weiträumig der Stein im Anschluss an die verwitterten Teile geschädigt war und vor einer bildhauerischen Ergänzung der Skulpturen abgenommen werden musste.

Die zerstörten Elemente der Skulpturen, vor allem Teile der Unterarme, die Hände und die Attribute, wurden schließlich durch die Bildhauer Michael Oster und Christoph Hoppe in der Dombauhütte ergänzt. Als Anhaltspunkte für die Teilrekonstruktion dienten ihnen dabei die originalen Entwurfszeichnungen und Gipsmodelle des 19. Jahrhunderts und historische Fotografien. Alle Elemente wurden zunächst in Gips im Maßstab 1:1 modelliert und anschließend in Kalkstein übertragen.

Das Foto zeigt die beiden Kaiserskulpturen vor ihrer Wegnahme von der Westfassade 2005.Bild vergrößernKaiser Konstantin und Karl vor der ReinigungFoto: DBA Köln, A. WolffDie vier an den Vorderseiten der Turmpfeiler seitlich des Hauptportales aufgestellten Skulpturen waren in den 1870er Jahren in der Werkstatt des Dombildhauers Peter Fuchs entstanden. Peter Fuchs und sein Atelier hatten von 1865 an bis in die frühen 1880er Jahre etliche hundert Skulpturen für den Kölner Dom geschaffen. Unter seiner Leitung entstanden nicht nur die aufwändigen Skulpturenprogramme der Portale an West- und Nordseite des Domes, sondern auch die meisten Skulpturen an den Pfeilern des Lang- und Querhauses sowie die Figuren der Innenwand des Südquerhauses.

inzwischen sind die Skulpturen von Kaiser Konstantin und Karl dem Großen wieder aufgestelltBild vergrößernKonstantin und Karl der Große Foto: DBA Köln, M. JürkelDer Plan an den zwischen den Westportalen liegenden Strebepfeilern Herrscherfiguren anzubringen, geht letztlich auf ein Konzept Sulpiz Boisserées aus dem Jahr 1845 zurück. Nachdem man zwischenzeitlich auch an eine Darstellung des preußischen Königs und Domförderers Friedrich Wilhelm IV. gedacht hatte, einigte man sich schließlich auf Konstantin, Karl den Großen, Heinrich II. und Stephan von Ungarn. Bei allen vieren handelt es sich nicht nur um Herrscher sondern zugleich um Heilige. Sie sind somit Idealbilder des christlichen Herrschers, dessen Aufgabe nicht zuletzt der Schutz der Kirche sein sollte. Es ist gut denkbar, dass bei der Auswahl der Heiligen beim Domkapitel auch politische Überlegungen eine Rolle spielten. Die Entstehung der Skulpturen fällt in die Zeit des Kulturkampfes, einer heftigen Auseinandersetzung zwischen der katholischen Kirche und dem protestantisch geprägten preußischen Staat. In ihrer Gestaltung sind die vier Figuren typische Vertreter eines naturalistischen, zum Pathos neigenden Stiles, wie er in wilhelminischer Zeit vorherrschte.

Während es im Fall der vier Skulpturen der Westfassade möglich war, die Originale zu ergänzen und wieder an ihrem ursprünglichen Standort aufzustellen, müssen bei stärker zerstörten Skulpturen vollständige Kopien erstellt werden. So wurde zum Beispiel in den vergangenen Tagen an der Nordquerhausfassade eine Kopie einer schwer zerstörten Franziskusstatue wieder aufgestellt. Die Kopie dieser ebenfalls von Peter Fuchs stammenden in der Mitte durchgebrochenen Skulptur wurde von Josef Düsterhus erstellt.

Matthias Deml