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18. Oktober 2006

Neuerscheinung

»Der Schrein der Heiligen Drei Könige«

Meisterwerke des Kölner Domes, Band 9Bild vergrößernFoto: Verlag Kölner DomIm Verlag Kölner Dom ist soeben der neunte Band aus der Reihe der Meisterwerke des Kölner Domes erschienen. »Der Schrein der Heiligen Drei Könige« heißt die neue Publikation von Dr. Rolf Lauer, dem langjährigen Leiter des Kölner Dombauarchivs.

Der 23. Juli 1164 ist ein besonderes Datum in der Geschichte der Kölner Kirche. An diesem Tag wurden die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel von Kaiser Friedrich Barbarossa als Dank für die Hilfe bei der Eroberung Mailands erhalten hatte, in die Stadt und in den Alten Dom gebracht. Köln besaß damit nicht nur Reliquien von wahrhaft königlichem Rang, die von Herrschern aus aller Welt und besonders den deutschen Königen als Vorbild irdischen Königtums verehrt wurden, die Stadt und der Dom waren nun auch eines der großen Pilgerziele der Christenheit.

Erst über 20 Jahre später, bald nach 1190, begannen Nikolaus von Verdun, der führende Goldschmied dieser Zeit, und seine Werkstatt mit der Arbeit an dem bis heute erhaltenen Reliquienschrein. Schon bei Beginn war klar, daß der Dreikönigenschrein alle früheren Großreliquiare, wie sie im Rhein-Maas-Gebiet in dieser Zeit in großer Zahl entstanden, an Größe, Kostbarkeit und inhaltlichem Anspruch übertreffen sollte. Das architektonische Konzept der zweigeschossigen Anlage, gleichsam zwei einfache Schreine als Sockel, bekrönt von einem dritten, wurde ebenso schon bei Beginn festgelegt wie die prachtvolle Ausstattung mit antiken geschnittenen Steinen, reichstem Emailschmuck und einem Bildprogramm, das die Heilsgeschichte von Anbeginn der Zeit bis zum Weltgericht umfaßt.
Obwohl die Reliefs der Dachflächen mit Szenen aus dem Leben Christi unten und Bildern der Apokalypse auf den oberen Schrägen verloren sind, sind die wesentlichen Teile des Schreinprogrammes erhalten: Das Alte Testament vertreten sitzende Propheten an den unteren Langseiten mit Moses und Aaron an ihrer Spitze und den Königen David und Salomon in der Mitte. Sie bilden gleichsam den Sockel, die geistige Basis für die thronenden Apostel an den oberen Langseiten.
Inhaltliche Verdichtung wird auch an der Vorderseite sichtbar, die, im Gegensatz zu den übrigen aus vergoldetem Silber und Kupfer gefertigten Beschlägen, als Stiftung von König Otto IV. (um 1200) aus reinem Gold besteht. Thema ist die dreifache Epiphanie Christi: die Bestätigung der Menschwerdung in der Anbetung der Heiligen Drei Könige, die öffentliche Anerkennung in der Taufe und die Wiederkehr zum Jüngsten Gericht.
Die Größe der Aufgabe erklärt vielleicht den verzögerten Beginn, aber auch die lange Bauzeit von ca. 30 Jahren. Der Schrein wurde erst um 1220 mit den Reliefs der Rückseite, der Geisselung Christi und seiner Kreuzigung unten sowie der Märtyrerkrönung von Felix und Nabor oben, vollendet.
Der Kölner Dom besaß damit eines der bedeutendsten Kunstwerke des mittelalterlichen Europa. Die Vollendung des Schreines und die neue Aufgabe des Domes als Wallfahrtskirche war sicher auch ein Anlaß für den Neubau des gotischen Domes ab 1248, das größte Bauprojekt seiner Zeit.

Der Dreikönigenschrein ist zwar in vielen Büchern zur romanischen Kunst erwähnt und es gibt viele wissenschaftliche Aufsätze zu diesem Thema, aber eine reich bebilderte und mit einführenden Texten versehene Publikation fehlte bis heute.
Dr. Rolf Lauer legt nun einen Band vor, der mit zumeist farbigen Neuaufnahmen von den Domfotografen Reinhard Matz und Axel Schenk den Schrein erstmals ausführlich dokumentiert. Einführende, auch für den Laien konzipierte Texte behandeln etwa die Geschichte der Dreikönigsreliquien, das Bildprogramm des Schreines, Fragen zu den am Schrein tätigen Goldschmiedewerkstätten und die Reliquien der Heiligen Drei Könige als Pilgerziel.

Die neue Publikation ist im Buchhandel erhältich oder online bestellbar beim Verlag Kölner Dom.

Verlag Kölner Dom